Die drey Rosen
J. von Dalberg
CHORUS
Vom Schoose der Natur ließ Gott
Uns eine Rose steigen;
Die düftet selig, rein, und süß
Dem Armen wie dem Reichen.
Sie knospet in der Kindheit Tagen,
Bricht auf dem Jüngling, blüht dem Mann,
Und stillt des müden Greises Klagen,
Und führt zuletzt uns himmelan.
Sie krönt allein der Fürsten Freuden,
Sie wischt des Sclaven Thränen ab;
Sie lindert jedes Erdenleiden,
Und blüht noch über unserm Grab.
Wer dieser Rose Tugend preißt,
Dem saget: daß sie Freundschaft heißt!
(
CHORUS
Sie schmückt des edlen Jünglings Wangen,
Und wohnt in keuscher Mädchen Brust,
Erweckt das süßeste Verlangen,
Und lohnt mit engelgleicher Lust.
Sie düftet selig dem Verkannten,
Und den Gedrückten stärket sie;
Blüht selbst in ungerechten Banden,
Und wo sie blüht, verläßt sie nie.
Wer dieser Rose Tugend preißt,
Dem saget, daß sie Unschuld heißt.
(
CHORUS
Sie blüht zur Zeit der Nachtigallen,
Blüht, wann das Korn die Aehren hebt,
Und wann vom Baum die Blätter fallen,
Und wann der Schnee vom Himmel schwebt.
Ihr findet sie auf allen Wegen,
Sie macht den ärmsten Bettler reich;
Geht ihr nur selbst getrost entgegen,
O Freunde, so umarmt sie euch.
Wer dieser Rose Tugend preißt,
Dem saget, daß sie Freude heißt.
CHORUS:
Vom Mutterschoose der Natur
Ließ Gott drey Rosen steigen;
Die düften selig, rein und süß
Dem Armen wie dem Reichen.
Auf, Brüder, laßt uns einen Kranz
Von Freundschaftsrosen binden,
Und damit jetzt und immerdar
Das stolze Haupt umwinden!
Auf, Schwester, laßt uns einen Kranz
Von Unschuldsrosen binden,
Und damit jetzt und immerdar
Das frohe Haupt umwinden.
So, Brüder, Schwestern, können wir
Auch Freudenrosen binden,
Und damit jetzt und immerdar
Das sichre Haupt umwinden!