Bergtrolls Braut

E. Dohnányi

O Wand'rer, geh' nicht nach dem Abendstein,

dort lockt des Bergrolls Braut!

Rot flammt ihr Haar, wenn die Sonne sinkt,

heiß flammt ihr Kuß, doch wer davon trinkt,

hat keine and're geschaut.

O Wand'rer, flieh dieser Augen Macht,

sie glänzen wie funkelndes Gold;

En duftig Atmen, wie weht es so weich,

ein Flüstern so süß,

so glutenreich von Minne und Minnesold...

Der Jüngling streicht sich die glühende Stirn:

"Du Stolze, dich will ich bezwingen!

Ein Karfunkel aus deinem Haargezier,

er schaffe ein Lächeln der Liebsten mir,

und gält es das heißeste Ringen!"

Bergtroll lauert in eiferndem Grimm,

nun rüttelt den Fels er mit Wuchten:

"Ha, Frecher, du langst nach der Schönsten mein!"

Es bricht der Berg es stürzt das Gestein

und donnert verhallend zu Schluchten.

Im Mondlicht schimmert grün ihr Haar,

grün starrt ihr Auge in Fernen:

Des Bergtrolls Braut hält Totenwacht!

Der Wind hat ein schneeiges Bahrtuch gebracht,

und Friede thront in den Sternen!