Die weisse Rose

E. Frank

Um eine Rose bat ich dich,

Du giebst mir eine weiße;

Hast keine rothe du für mich,

Daß sie mir Glück verheiße?

Die weiße schaut so nonnenbleich,

So kalt im Schneegewande,

Vor ihrem Bild verläuft sogleich

Die Hoffnung sich im Sande.

Die Liebe, Mädchen, die ist roth,

Roth wie das Blut im Herzen,

Und ob von Dornen auch umdroht,

Sie achtet nicht der Schmerzen.

Wie deine Rose keusch und kalt

Trittst du mir selbst entgegen,

Die minneselige Gewalt

Will sich in dir nicht regen.

So bleibe denn in Unschuld weiß

Wie deine stolze Blume

Und hüte deiner Tugend Preis

Mit unbestrittnem Ruhme.

Ich gehe hin, wo Herzen glühn,

Von Liebeslust umfangen,

Und rothe Rosen für mich blühn

Auf Lippen und auf Wangen.