Waldbächlein

E. Frank

Waldbächlein schlüpft um Busch und Stein

Mit seinen krausen Wellen,

Und blinkeblanker Silberschein

Blitzt auf den spiegelhellen.

Klar ist wie Luft bis auf den Grund

Das schlängelnde Geriesel,

Es schleift und schmeichelt kugelrund

Die flink umtanzten Kiesel.

Es summt und klingt und klimpert just,

Wie wenn man Saiten stimmet,

Und Well' auf Well' in Wanderlust

Mit leisem Singsang schwimmet.

Waldbächlein ohne Rast und Ruh,

Ich bin ja dein Geselle,

Ich sing' und wandere wie du,

Bleib' auch nicht auf der Stelle.

Wir dürfen beid' im raschen Sang

Die Blumen kaum berühren

Und sollen sie mit Sang und Klang

Vom Ufer nicht entführen.

Doch mit dir nimmst du Blüth' und Laub

In deinem Sprung, dem kühnen,

O Waldbächlein, wie manchen Raub

Hat Unsereins zu sühnen!