Waldconcert

E. Keller

Den heut'gen Abend ist Concert

Beim Wirt "zum grünen Wald",

Wie man's nicht alle Tage hört;

Drum kommt nur Jung und Alt.

Die Feier findet in der Halle

Und unentgeltlich statt,

Die Künstler sind Virtuosen alle,

Ein jeder singt vom Blatt.

Den Anfang macht ein Solostück,

Von Monsieur Fink gesungen;

Er hat damit besonders Glück,

Viel Beifall schon errungen.

Die zweite Nummer, ein Duett

Vom Schwesternpaare Meisen,

Ist auch besonders zart und nett

Und nicht genug zu preisen.

In Nummer drei, dem Streichquartette

Von den Gebrüdern Specht,

Bemüht sich jeder um die Wette

Und wird der Kunst gerecht.

Als Nummer vier kommt dann ein Lied

Von einer jungen Dame,

Die schüchtern stets zurück sich zieht,

Grasmücke ist ihr Name.

Das fünfte Stücklein hat charmant

Frau Drossel übernommen;

Die Künstlerin ist allbekannt

Sehr viel herumgekommen.

Jetzt folgt noch ein gemischter Chor,

Wo alle Künstler singen;

Ich heb' es nicht umsonst hervor,

Das muß Applaus erringen.

Die schönste aber aller Weisen

Singt Fräulein Nachtigall;

Die brauch' ich weiter nicht zu preisen,

Man kennt sie überall.

Drum, Leute, nur hereinspazirt!

Zu hören gibt's, zu schaun,

In Zwischenpausen produzirt

Sich Eichkätzchen, der Clown.

Auch Feuerwerk wird abgebrannt

Am Schluß des schönen Festes;

Herr Glühwurm nahm dies in die Hand

Und bietet auch sein Bestes.

Herr Zephyr wird zum Abschied dann

Die Äolsharfe spielen;

Und ich will hoffen, jedermann

Wird sich befriedigt fühlen!