Erwachen aus der Verzweiflung

E. Reichert

Aus Leides Trunkenheit

Emporgetaumelt seh ich

Durch Tränen zitternd die erneute Welt.

Schon duftet Sommer an den Wäldern hin -

O Abende voll grünem Schmelz, Sternhimmel du,

Wie sehnlich überfüllt ihr mir das Herz!

Freunde, lebt ihr noch? Wein, glühst du noch?

Bist du noch mein, verzauberte Welt,

Die ich durch Tränen nur und von ferne

Wandeln sehe, wo lang ich nur Leere sah?

Hebt noch einmal der alte Reigen an,

Zieht den Gestorbnen noch einmal der süße

Sommerzauber zurück?

Noch mißtraut dem Wunder die Seele,

Noch ist Sommer und Wald nicht wieder mein.

Aber heiliger glühn und klarer die Sterne,

Schweigend horch ich hinan, ihr Weltgeläut

Tönt mir ehern das Lied meines Schicksals,

Und mein Herz tönt zagenden Widerhall.