Erkenntnis
E. Smyth
Es blüht in dem Garten mein
ein Blümlein in lieblicher Lust;
und es duftet so süß, und ich pflückte es fein,
und ich drückt's an die klopfende Brust.
Aber bald lag entblättert die Pracht,
und das Blümlein hat sterben gemusst.
Es flog durch das Fenster mein
ein Vöglein, das zwitscherte hell,
sang so zauberisch süß, da fing ich es ein,
und im Käfig verschloss ich es schnell.
Doch es starb noch in selbiger Nacht
ohne Sang mir mein lieber Gesell.
Es kam meiner Einsamkeit
der Freund, den ich träumte so lang',
und da starb mir das Schweigen und starb alles Leid,
und nur Liebe noch war und Gesang.
Hab' an Blume und Vogel gedacht,
und ins Herz die Erkenntnis mir drang:
Geh' fort, wenn du willst, mein Freund,
ruft die Welt dich, die weite, von hier;
nur der Zwang, der entzweit, und die Freiheit vereint,
und kein Gott kann entreißen dich mir.
Sang und Duft, den der Wind mir gebracht,
ist ein Grüßen, du Lieber, von dir!