Hahnenruf
F. Abt
Im Hof auf dem Balken,
Da sitzet der Hahn,
Und träumt von den Thaten,
Die er schon gethan;
In freudigem Stolze,
Weiß selber nicht wie,
Schreit er in die Lüfte
Sein Kikeriki!
Vom eigenen Rufe
Der Träumer erwacht;
Er siehet nichts weiter,
Als finstere Nacht;
Er ducket sich nieder
Und schläft wieder ein;
Es hat nichts gegolten
Für diesmal sein Schrei'n.
Es grauet und dämmert
Der Tag durch die Nacht;
Da ist auch schon wieder
Der Schläfer erwacht;
Er sinnet und denket:
Ist's wohl noch zu früh?
Und schmettert schon wieder
Sein Kikeriki!
Doch Alles ist stille,
Nichts regt sich im Haus.
Der Hahn aber breitet
Die Fittige aus;
Er fliegt von dem Balken;
Im Hof er jetzt steht;
Auch diesesmal hat er
Vergebens gekräht.
Das Morgenroth hebt sich
In nebliger Höh';
Der Hahn aber denket:
S'ist Zeit jetzt! Ich kräh'!
Der Tag ist gekommen!
S'ist nicht mehr zu früh'!
Heraus nun, ihr Schläfer!
Ki Kikeriki!
Da trippelt's und trappelt's
Und poltert's im Haus;
Wie springen die Leute
Dem Bette heraus!
Der Hahn aber spreizet
Sich stolz in die Höh',
Und freuet sich über
Sein edles Gekräh'.
Kikriki! Kikriki!