Trost der Nacht
F. Draeseke
Es heilt die Nacht des Tages Wunden,
Wenn mit der Sterne buntem Schein
Das königliche Haupt umwunden
Sie still und mächtig tritt herein.
Die milden leisen Hauche kommen,
Der Farben grelle Pracht erblasst.
In weicher Linie ruht verschwommen
Der scharfen Zackenfelsen Last.
So legt die Nacht mit Muttergüte
Sich um die Seele schmerzenvoll.
Es läutert sich still im Gemüte
Zur Wehmut jeder bittre Groll.
Die Tränen, die vergessen schliefen,
Nun strömen sie in mächt'gem Lauf;
Es steigt aus wunden Herzenstiefen
Ein rettungahnend Beten auf!