Trennung
F. Draeseke
Er ritt so einsam durch den Wald,
Sie fuhr so einsam auf dem See;
Sein Rößlein ging und machte Halt.
Er sprach nicht: „Halt!” Er sprach nicht: „Geh!”
Ihr trieb der Kahn am Ufer hin,
Auf weiter See das Ruder floß;
Sie schaute in der Woge Grün
Und sah nur ihn im lichten Schloß.
[Er sang ein Lied und wußt es nicht,
Das Lied erklang wie bittre Lust.]
Sie horchte: „Still, die Woge spricht!”
Doch war's ein Seufzer ihrer Brust.
Das Rößlein ruht im grünen Tann,
Der Nachen steht die längste Zeit.
Sie träumet von dem schönsten Mann,
Er träumet von der schönsten Maid.