Waldbruders Nachtgesang

F. Fröhlich

Komm Trost der Nacht, o Nachtigall!

Laß deine Stimm mit Freudenschall

Aufs lieblichste erklingen!

Komm, komm und lob den Schöpfer dein,

Weil andre Vöglein schlafen sein

Und nicht mehr mögen singen:

Laß dein Stimmlein

Laut erschallen; denn vor allen

Kanstu loben

Gott im Himmel hoch dort oben.

Obschon ist hin der Sonnenschein,

Und wir im Finstern müssen sein,

So können wir doch singen

Von Gottes Güt und seiner Macht,

Weil uns kann hindern keine Nacht,

Sein Lob zu vollenbringen.

Drum dein Stimmlein

Laß erschallen; denn vor allen

Kanstu loben

Gott im Himmel hoch dort oben.

Echo, der wilde Widerhall,

Will sein bei diesem Freudenschall

Und lässet sich auch hören;

Verweist uns alle Müdigkeit,

Der wir ergeben allezeit,

Lehrt uns den Schlaf betören.

Drum dein Stimmlein

Laß erschallen; denn vor allen

Kanstu loben

Gott im Himmel hoch dort oben.

Die Sterne, so am Himmel stehn,

Sich lassen zum Lob Gottes sehn

Und Ehre ihm beweisen;

Die Eul auch, die nicht singen kann,

Zeigt doch mit ihrem Heulen an,

Daß sie Gott auch tu preisen.

Drum dein Stimmlein

Laß erschallen; denn vor allen

Kanstu loben

Gott im Himmel hoch dort oben.

Nur her, mein liebstes Vögelein,

Wir wollen nicht die Fäulsten sein

Und schlafend liegen bleiben;

Vielmehr, bis daß die Morgenröt

Erfreuet diese Wälder öd,

In Gottes Lob vertreiben.

Laß dein Stimmlein

Laut erschallen; denn vor allen

Kanstu loben

Gott im Himmel hoch dort oben.