Bewußtsein

F. Himmel

Frommes Selbstbewußtsein, stiller Zeuge

Unsers innern Lebens, du, nur du

Kannst den harten Lebensgang vergüten;

Ja, du deckst, mit immer frischen Blüthen,

Unsern Weg zum Grabe zu!

Mögen Schlangen zischen, Wetter brausen:

Ruhig wallt der stille Pilgerlauf

Durch des Lebens rauhe Dissonanzen;

Jeder Mißton löst im großen Ganzen

Sich in Harmonieen auf.

Selbstbewußtsein, nur den frechen Sünder

Schreckst du aus dem Schooß der Ruh empor!

Ach, kein Friede naht sich dem Gefühle,

Das dich trübte, und im Weltgewühle

Glauben an sich selbst verlor.

Selbstbewußtsein, Geist von Gott gegeben,

O du lehrst uns, auf zum Himmel schauen!

Deine Stimm' ist unser frommes Sehnen;

Ruhe, Ruhe! fordern unsre Thränen,

Und du sendest uns Vertraun.