Lebenslied

F. Himmel

Junge Freudengötter,

Flattert auf und ab!

Streuet Rosenblätter

Auf den Ernst herab,

Daß die Stirn' erheitert,

Daß die Lippe frei,

Und die Brust erweitert

Für die Scherze sey!

Leichter Sinn befreiet

Den gefangnen Witz;

Jede Stelle weihet

Er zum Göttersitz.

Seht, die Götter kommen!

Nur, vom Tiefsinn fern,

Sind sie unter frommen,

Frohen Menschen gern.

Mag die Weisheit immer

Unsre Mahle weihn;

Aber laßt uns nimmer

Zu vernünftig seyn!

Zu viel Weisheit machte

Manchen kalten Tropf;

Doch kein Froher lachte

Sich um Herz und Kopf.

Laßt die Grübler denken,

Und sich laut entzwein!

Heitres Leben schenken

Grazien uns ein.

Nehmt die Freudenschaale,

Eh' die Sonne sinkt,

Die zum Lebensmahle

Frohe Gäste winkt!

Trinkt in langen Zügen!

Kurz währt alles Ding.

Haschet das Vergnügen,

Diesen Schmetterling,

Der sich auf den Blüten

Unsers Lebens wiegt!

Keiner mag ihn hüten;

Hascht ihn, er entfliegt!

Auch die Blüten fallen!

Eine Hore bringt

Alles zu den Hallen,

Wo kein Lied erklingt.

Doch wenn ihr veraltet

Auf

vom Mahle steht:

Nur die Freude haltet

Dann noch fest, und geht!