An die Nachtigall
F. Jähns
Nach Tönen sehnt sich meine Seele,
nach süßem Wohllaut bangt mein Herz;
o löse, zarte Philomele,
melodisch den verschloss'nen Schmerz!
Die rosigen Erinn'rungsbilder,
die tödlich lieblich vor mir glüh'n,
o lass sie dämmernder und milder
auf Liebesflug vorüberzieh'n!
Warum so frisch, ihr süßen Farben,
mich mahnend an verlor'nes Glück?
Wenn meines Herzens Freuden starben,
was bleibt nur ihr so treu zurück?
Zu dir nun flüchtet, Philomele,
du zarte, das beklomm'ne Herz,
o schmilz du in der wunden Seele
den starrenden, verhalt'nen Schmerz!
Und soll sie nie mir wiederkehren,
ach, die geliebte, vor'ge Zeit,
umsonst der heiße Wunsch beschwören
die einst verkannte Seligkeit,
so öffne reichen Tränenfluten
dein Zauber den gehemmten Lauf,
o lös', ach, jene Farbengluten
im milden Tau der Wehmut auf!