Mein Herz

F. Möckl

Mein Herz gleicht der vergessenen Kapelle;

auf dem Altare prahlt ein wilder Mai.

Der Sturm, der übermütige Geselle,

brach längst die kleinen Fenster schon entzwei;

er schleicht herein jetzt bis zur Sakristei

und zerrt dort an der Ministrantenschelle.

Der schrillen Glocken zager Sehnsuchtsschrei

ruft zu der längst entwöhnten Opferstelle

den arg erstaunten fernen Gott herbei.

Da lacht der Wind und hüpft durchs Fenster frei.

Doch der Erzürnte packt des Klanges Welle

und schmettert an den Fliesen sie entzwei.

Und arme Wünsche knien in langer Reih

vorm Tor und betteln an vermooster Schwelle.

Doch längst schon geht kein Beter mehr vorbei.