Du wähnst mich fromm!
F. Mottl
Du wähnst mich fromm, du wähnst mich weise,
Und heißest arglos mich dir nah'n,
Du glaubst, in deines Lebens Gleise,
Lustwilde Wünsche abgetan.
Und ahnest nicht, wenn still mein Auge
Sich in dein reines taucht,
Wie brünstig ich den Odem sauge,
Den mir dein Leib entgegen haucht.
Wie bei der Rede sanftem Klügeln
Mein Fuß in Grimm den Boden stampft,
Wie seinen Flammendrang zu zügeln,
Mein Wesen sich zusammen krampft.
Gib Acht, und banne das Begehren,
Das qualvoll mir im Herzen loht,
Denn deinen Frieden zu verheeren,
Naht schon die wilde süße Not.