Lang hat die Heimath mich erfreut

F. Naubert

.. ze Stiure, den burge guot...

Kunech Luarin, v. 1235.

Lang hat die Heimat mich erfreut,

Jetzt gehn die Wege anders,

Zum letztenmale grüß' ich heut

Die Stadt des weißen Panthers;

Wer wie die Lerche singen will

Und wie die Lerche fliegen,

Darf sich nicht wohlgenährt und still

Versitzen und verliegen.

Fahr wohl, die Hort und Nest mir war,

Du gute Burg von Steier,

Gott schenk dir noch manch lustsam Jahr,

Tanz, Schall und Rosenfeier.

Fahr wohl, duftsüßer Lindengang

Zur Gastner Klosterpforte,

Wo ich in erstem Singedrang

Den Vöglein stahl die Worte.

Fahr wohl, schneeblanke Alpenpracht,

Umblitzt vom Abendstrahle!

Frischrauschend drängt die Enns mit Macht

Den Flutenschwall zu Thale,

Und Well' um Welle raunt mir zu:

"Auf, flieh mit uns ins Weite.

Der Tapfre kennt nicht Rast noch Ruh,

Und Kraft wächst nur im Streite."

Nun will mein Schritt sich frei und frank

Zu fremden Freunden kehren;

Ich hab' gedient, mir ward mein Dank,

Mein Abschied steht in Ehren;

Und wie mit treuem Murmeltier

Singknaben sich belasten,

Trag' ich mein hungrig Glück mit mir,

Es sitzt im Fiedelkasten.

Jetzt gilt es, Hand und Kopf gerührt

Und zeitig auf die Beine,

Den Gürtel fest und knapp geschnürt,

Der Schnabel fern vom Weine!

Die Zukunft dämmert ungewiß,

Ich fahr' auf neuen Straßen...

Der Strom und Wellen wandern hieß,

Der wird mich nicht verlassen.