Von Liebe und Leben scheidend
F. Naubert
Periculosa res est desperatio.
Alter Spruch.
Nach des Waldwegs letztem Biegen
Schau ich festgebannt und starr,
Schau nach eines Schleiers Fliegen --
Schau umsonst... was schaut der Narr?!
Läutet, Glocken, dumpfen Schalles
Einem armen Mann zu Grab:
Hier war's, o mein Eins und Alles,
Wo ich dich verloren hab'!
Hier war's, wo du hoch vom Rosse
Einmal noch das Haupt gewandt,
Wo dein Aug', das dunkle große,
Mir den letzten Blitz gesandt.
Mit unsichtbaren Gewalten
Zog es dich zu mir zurück,
Bis im Forst, im tannenalten,
Unfreiwillig losch dein Blick.
Nur wer sehnend in der Sonne
Untergehnde Gluten späht,
Kennt die schmerzensbittre Wonne,
Die aus solchem Blick erweht.
War dich finden, dich verlieren
Nicht wie kurzer Sonnenkuß?
Auch dein Scheiden glich dem ihren,
Denn sie scheidet, weil sie muß.
Könnt' ein Zauberfluch beschwören
Sehnender Verzweiflung Pein,
Hei! Du würdest wiederkehren,
Würdest mein sein, und ich dein!
Götterneid und fremde Lenkung
Reißt dich über Meer und Land,
Und mir bleibt, als letzte Schenkung,
Ach, ein Streif nur vom Gewand.
Eine Schleife, schwarz und dunkel
Wie der Traum, den ich geträumt,
Nur am Rande von Gefunkel
Goldner Fäden licht umsäumt.
Vorn zur Brust heft' ich die Litze,
Die mein Kettendolch umspielt...
Und schon fühl' ich, wie die Spitze
Züngelnd nach dem Herzen zielt.
Sei's drum! eh' die Nacht sich endet,
Überströmt mein Blut dies Lied...
Wer von dir sich scheidend wendet,
Längst von Licht und Leben schied.
Läutet, Glocken, dumpfen Schalles
Einem armen Mann zu Grab:
Hier war's, o mein Eins und Alles,
Wo ich dich verloren hab'!