Durch die Fenster zitternd sacht

Schreker, Franz

Durch die Fenster zitternd sacht

blasse Sterne scheinen.

Plötzlich hör ich durch die Nacht

unterdrücktes Weinen.

Und ein Hauch, wie kühler Wind

kommt in meine Kammer.

Bist du da, mein liebes Kind,

fühlst du meinen Jammer?

"Ich schlummerte friedlich im stillen Schrein,

da drang es wie Tränen zu mir herein,

da hat dein Schluchzen mich jäh geweckt,

dein jammerndes Stöhnen mich aufgeschreckt."

Geh wieder ins Bettchen, mein Töchterlein,

ich will deine artige Mutter sein,

will alles in Freuden und lächelnd tun,

du sollst wieder schlafen, in Frieden ruhn,

Nun leuchtet mein Auge,

es lächelt mein Mund,

unstillbar der Jammer

in tiefsten Grund.

Unstillbar das brennende, fiebernde Sehnen,

nun strömen und rinnen nach innen die Tränen,

die Tränen um dich, mein liebliches Kind:

mein Herzensauge ward Tränenblind.