Ein Lied vom grünen Kranze

F. Truhn

Der schönste Ort, davon ich weiss

das ist ein kühler Keller;

das schnellste Geld, davon ich weiss

das ist der letzte Heller:

der rennt so hurtig, so geschwind

und ruht nicht eh'r, als bis er find't

Rheinwein und Muskateller.

Der schönste Wein, davon ich weiss

lässt sich den roten heissen;

und einen schönsten kenn ich noch

den nennt man nur den weissen:

der eine hilft, der andre frommt

wer nur zur rechten Muße kommt,

sich beider zu befleißen.

Ein frischer Trunk vom Fasse her,

danach steht mein Verlangen.

Das sind die schönsten Häuser doch

dran grüne Kränzlein hangen:

wo solch ein liebes Zeichen lacht

da ist mir recht in finstrer Nacht

ein Sternlein aufgegangen.

Und wer das Liedlein hat erdacht

und wer es hat gesungen?

ein fahr'nder Schüler hat's gemacht:

der Wein hat ihn bezwungen;

vor einem Fass, da ist sein Platz

ein volles Glas, das ist sein Schatz:

es ist ihm wohlgelungen.