Frühling im Wein

F. Truhn

Sonne, Mond und alle Sterne,

Blumenflur und Blütenbaum,

Alles kam aus weiter Ferne

Her in diesen Kellerraum:

Sonne, die den Wein erzogen,

Kühler Thau, der ihn genährt,

Alles lacht aus seinen Wogen,

Doch verschönt und neu verklärt.

Und die Geister, so die Blüten,

So die Trauben stets bewacht,

So des Rebenstocks zu hüten

Waren allezeit bedacht:

Sehet, auf den goldnen Wellen

Schweben sie und winken her,

Wollen sich zu uns gesellen

Treu in fröhlichem Verkehr.

Wenn es regnet, laßt es regnen!

Laßt es schneien, wenn es schneit!

Wo wir solchem Wein begegnen,

Wirds auf einmal Frühlingszeit,

Und im schönsten Maienglanze

Zieht die Sonne durch die Welt,

Und mit einem frischen Kranze

Schmückt' sich Heid' und Wald und Feld.