In Erwartung des Freundes

F. Valen

Die Sonne scheidet hinter dem Gebirg,

In alle Täler steigt der Abend nieder

Mit seinen Schatten, die voll Kühlung sind.

O sieh, wie eine Silberbarke schwebt

Der Mond herauf hinter den dunkeln Fichten,

Ich spüre eines feinen Windes Wehn.

Der Bach singt voller Wohllaut durch das Dunkel

Von Ruh und Schlaf... Die arbeitsamen Menschen

Gehn heimwärts, voller Sehnsucht nach dem Schlaf.

Die Vögel hocken müde in den Zweigen,

Die Welt schläft ein... Ich stehe hier und harre

Des Freundes, der zu kommen mir versprach.

Ich sehne mich, o Freund, an deiner Seite

Die Schönheit dieses Abends zu genießen, -

Wo bleibst du nur? Du läßt mich lang allein!

Ich wandle auf und nieder mit der Laute

Auf Wegen, die von weichem Grase schwellen,

O kämst du, kämst du, ungetreuer Freund!