Ein geistlich Nachtlied

F. Weingartner

Nun ist der Tag verronnen

Mit seinem regen Tun;

Es schied das Licht der Sonnen

Und alle Wesen ruh'n.

Die Wolken auch entfärben

Sich langsamn, allgemach,

Doch ob auch alle sterben,

Das Aug' des Herrn bleibt wach.

Es liegt in dumpfes Brüten

Das ganze Land versenkt.

Schlaft wohl, ihr tausend Müden,

Die ihr der Ruhe denkt.

Es schütze vor Verderben

Der Vater euer Dach.

Denn, ob auch alle sterben,

Das Aug' des Herrn bleibt wach.

Es sang noch von den Zweigen

Die letzte Nachtigall.

Auch sie beginnt zu schweigen

Und es verstummt ihr Schall.

Nun rauscht durch Kies und Scherben

Allein ein stiller Bach,

Doch ob auch alle sterben,

Das Aug' des Herrn bleibt wach.