Irrlichter

F. Weingartner

War ein heimatloser Wandrer

auf des Lebens dunkler Haide,

suchte eine Liebesheimat,

die mich von der Welt abscheide;

und verirrt in düstern Gründen

sah ich endlich in der Ferne,

wie zwei Irrwisch', schwebend, leuchtend,

deine beiden Augensterne.

Und vertrauend folgt' ich ihnen

ruhlos über Feld und Hügel,

und die Hoffnung lieh den Stab mir,

und die Sehnsucht gab mir Flügel.

Bald an klaren Silberströmen,

bald im stillen Rosengarten,

schienen mich die blauen Lichter

liebelauchtend zu erwarten.

Aber war ich an der Stelle

müd und durstig angekommen,

waren auch die falschen Sterne

in den Rosen schon verglommen

bis sie wieder in der Weite,

in der Weite freundlich lachten

und mich schmachtenden Gesellen

wieder auf die Beine brachten.

Schwebten sie in luft'gen Reigen

über blaue Flut des Seees,

sprang ich in den leichten Nachen,

Schiffer meines schweren Wehes.

An dem Ufer stand ein Kirchlein;

das war mir ein gutes Zeichen,

weil ich dort am Hochaltare

sie noch hoffte zu erreichen.

Aber da war auch ein Kirchhof

nach der alten schlimmen Sitte,

und da glänzten die zwei Lichter

mild in stiller Gräber Mitte,

haben noch mit süssen Strahlen,

scheidend noch, mir zugewunken,

sind darauf nach Irrlicht Weise

in ein Blumengrab versunken!