Plauderwäsche

F. Weingartner

Seht ihr die zwei Kirschenbäumchen

Bei der Mühle dort am Strand,

Wie vom einen zu dem andern

Ist ein Seilchen ausgespannt?

Und am Schnürlein hangen Hemdchen,

Blühweiß, eilfe an der Zahl;

Diese wehn und flattern lustig

Glänzend durch das Sommertal.

Ob wohl aus des Wassers Rauschen

Sich der Nix vernehmen läßt?

Nein, wie wir vorüberfahren,

Flüstert eins im regen West:

"Unser sind wir zwölf Geschwister,

So die Müllerstochter spann,

Eilfe sind wir stets beisammen,

Doch das zwölfte hat sie an."

"Jeden Sonntag in der Frühe",

Spricht das andre, "wechseln wir,

Flüchtig uns zugleich erzählend

Alle Heimlichkeit von ihr."

Und das dritte: "Wie sie weiß ist!

Also weiß kein Bleicher bleicht!

Wo das Herz ist, trägt ein Mal sie,

Welches einem Veilchen gleicht!"

"Wie besessen tanzt das Veilchen",

Spricht das vierte, "jedes Mal,

Wenn ein Schiff mit rotem Wimpel

Dort vorüber rauscht zu Tal."

Und das fünfte: "Wohl im Sande

Hab ich eines Nachts geruht,

Während sie beim Mondenscheine

Schwamm und spielte in der Flut.

Langsam fuhr das Schiff zu Berge "

"Ei, was ist denn nun passiert?"

Flattern alle - doch vom Himmel

Kommt ein Regen angeschwirrt!

Und die Magd eilt aus dem Hause,

Packt die tolle Wäsche ein;

Müllermädchen, dein Gespinste

Hing genug im Sonnenschein!