Chronica

T. Schubert

Mutter und Vater sind im Himmel

Und sprühen ihre Kraft

An singenden Fernen vorbei,

An spielenden Sternen vorbei

Auf mich nieder.

Himmel bebender Leidenschaft

Prangen auf,

O, meine ganze Sehnsucht reisst sich auf

Durch goldenes Sonnenblut zu gleiten!

Fühle Mutter und Vater wiederkeimen

Auf meinen ahnungsbangen Mutterweiten.

Drei Seelen breiten

Aus stillen Morgenträumen

Zum Gottland ihre Wehmut aus.

Denn drei sind wir Schwestern,

Und die vor mir träumten schon in Sphinxgestalten

Zu Pharaozeiten.

Mich formte noch im tiefsten Weltenschooss

Die schwerste Künstlerhand.

Und wisset, wer meine Brüder sind!

Sie waren die drei Könige, die gen Osten zogen

Dem weissen Sterne nach durch brennenden Wüstenwind.

Aber acht Schicksale wucherten aus unserem Blut

Und lauern hinter unseren Himmeln:

Vier plagen uns im Abendrot,

Vier verdunkeln uns die Morgenglut,

Sie brachten über uns Hungersnot

Und Herzensnot und Tod!

Und es steht:

Ueber unserem letzten Grab ihr Fortleben noch,

Den Fluch über alle Welten zu weben,

Sich ihres Bösen zu freuen.

Aber die Winde werden einst ihren Staub scheuen.

Satanas miserere eorum!!