O trockne diese Thräne nicht
G. Henschel
O trockne diese Thräne nicht,
Die dir im Auge schimmert,
Der Perle gleich, die rein und licht
Im Kelch der Rose flimmert!
Die Liebe war's, die sie gebar.
Der sel'ge Schmerz der Liebe;
D'rum schimmert sie so wunderbar --
Ach, daß sie ewig bliebe!
Sie glänzt so rein, sie glänzt so hell
Mich rührt ihr flüchtig Leben;
Ach, daß, was aus so heil'gem Quell
Geflossen, muß verschweben,
Daß, was der reinsten Seele Schacht
Entblühte, schmerzumwittert,
Mit seines Glanzes Wunderpracht
Verschwindet und verzittert!
Sie glänzt so rein, sie glänzt so klar,
In deinem Aug', dem blauen,
Und immer lockt mich's wunderbar,
In ihren Glanz zu schauen!
Du schonst der Perle sonst, die licht
Im Kelch der Rose flimmert --
O trockne diese Thräne nicht,
Die dir im Auge schimmert!