Hochzeitsmorgen

G. Rauchenecker

Daß wir sollen selig sein

Will ein lichter Tag erscheinen.

Schon erbleichen rings die Sterne,

Und die Berge in der Ferne

Hüllet Nebelschimmer ein.

Ihre Schätze hat die Nacht

Ausgestreut mit vollen Händen:

Auf die Blätter Thaugeschmeide;

Blumen in dem bunten Kleide

Sind mit Perlen reich bedacht.

Über Busch und über Strauch

Spann sie ihre schönsten Träume,

Draus die Sänger Lieder weben,

Wenn sie jubeln aufwärts schweben,

Sanft erweckt vom Morgenhauch.

Alles, Alles ist bereit,

Dich Geliebte zu begrüßen:

Rascher treibt der Bach die Wellen

Und die Rosenknospen schwellen,

Dich zu schau'n in Herrlichkeit.

Lauter wird es jetzt im Hain

Golden glänzen Wolkensäume,

Wo sich Erd und Himmel einen:

Denn es will der Tag erscheinen,

Daß wir sollen selig sein.