Die roten Fingernägel

G. von Zieritz

Als ich ihr dann begegnete, da sah ich,

Daß ihre Fingernägel purpurrot

Von Farbe waren; und ich sprach zu ihr:

„Du Böse färbst dir deine Nägel rot

Und machst dich schön, wenn ich nicht bei dir weile?“

Darauf entgegnete sie ernst und still:

„Die Eitelkeit ist meinem Herzen fremd.

Du Schlimmer schiebst mir eine Absicht zu,

Die ich nicht kenne. Hör die Wahrheit an:

Du, meine einzige Stütze und mein Halt,

Du bliebst so grausam lange fern von mir,

Daß blutige Tränen meinem Aug entströmten.

Mit diesen Händen hab ich meine armen

Augen getrocknet. Weißt du nun, woher

Das blutige Rot an meinen Nägeln stammt?“