Am Brünnelein

H. Esser

War hold und jung wie Röslein zart,

War froh und wohlgemuth;

Sang Lieder auch ganz andrer Art,

Mein Schatz war mir noch gut!

Am Brünnelein,

Am Brünnelein

Da standen wir beisammen

Wie Feuer und wie Flammen,

Am Brünnelein!

Weiß nit, was mir so wurmt und brennt

Im Herzen Tag und Nacht;

Weiß nit, wohin ich mich noch wend',

Wenn's fort un fort so macht!

Am Brünnelein,

Am Brünnelein

Da hat es angesangen,

Mein Schatz ist fortgegangen

Vom Brünnelein!

Das Brünnelein ist nun schon lang

Vom Sommer ausgedorrt,

Es tröpfelt nit, mir wird so bang,

Es red't mit mir kein Wort!

Am Brünnelein,

Am Brünnelein

Da steh' ich ganz alleine

Und weine, ach! und weine

Am Brünnelein!

Wer weiß, wird's anders übers Jahr,

Wenn sich erholt der Born,

Wenn wiederkehrt mein Schwalbenpaar,

Wenn Rosen treibt der Dorn!

Am Brünnelein,

Am Brünnelein

Will ich nicht langer weilen,

Damit mein Herz kann heilen!

O Brünnelein!