Wälder knospen, Wiesen grünen

H. Esser

Wälder knospen, Wiesen grünen,

Neues Leben dringt hervor;

Auch das Gräschen auf den Dünen

Streckt sein Händlein froh empor.

An den Bächen, an den Quellen

Tanzen Mücken hier und dort,

Fischen hüpfen auf den Wellen,

Schwalben segeln drüber fort.

Alles webet, schwebet, ringt,

Freut sich, schwingt sich, jauchzt und singt

Auf gen Himmel, auf gen Himmel.

Sollen wir denn jetzt noch trauern

Wie der Winter ernst und kalt?

Wir in unsern alten Mauern

Ohne Himmel, Feld und Wald?

Nein, wir wandeln draußen wieder!

Freude gibt uns ihr Geleit,

Liebe lehrt uns neue Lieder,

Schenkt uns neue Seligkeit.

Unsre Seele ringt und strebt,

Singt und schwingt sich, webt und schwebt

Auf gen Himmel, auf gen Himmel.

Auf gen Himmel alles Leben!

Denn vom Himmel kam's herab;

Drum so laßt uns wiedergeben,

Was er uns so gnädig gab.

Ja, froh sind wir jetzt und singen

Auf des Frühlings Freudenau,

Thun, als wollten wir gleich springen

In des Himmels ew'ges Blau.

Alle Sorg' und Traurigkeit,

Jeder Gram und jedes Leid

Bleibt der Erde, nur der Erde!