Die dunklen Schwalben werden einst wohl wieder

H. Hermann

Die dunklen Schwalben werden einst wohl wieder

Ihr hängend Nest an deine Fenster bau'n,

Und werden an die Scheiben ihr Gefieder

Wie sonst wohl schmiegen und ins Zimmer schau'n.

Doch jene, ach, die unsre Namen lernten,

Und wenn sie schauten unsre junges Glück,

Den Flug anhielten und sich träg entfernten,

O, glaub es mir -- die kehren nicht zurück.

Wohl werden wieder die bescheidnen Winden

An dem Geländer in die Höh sich ziehn,

Und ihren Weg zu deinem Gitter finden,

Und auch wie sonst im Mondenlicht erblühn.

Doch jene, die wir Hand in Hand oft schauten

Und leis erbeben sah'n, wenn feucht und schwer

Des Himmels Thränen perlen sie betauten,

Ja -- glaub es mir -- die -- blühen nimmermehr.

Die Leidenschaft wird auch dereinst wieder

Wie leises Schluchzen flehen in dein Ohr,

Und hören wirst du neuen Liebeslieder

Und wirst dein Antlitz neigen wie zuvor.

Doch stumm, voll heil'ger Inbrust, auf den Knieen --

-- Als ob du -- Gott, und ich ein Sünder wär --

Mit der Anbetung, die ich dir geliehen,

O, glaube mir -- so liebt dich niemand mehr!