In der Sankt Johannisnacht

H. Huber

In der Sankt Johannis Nacht

Bei dem frühsten Morgenscheine

Hört man Jauchzen, Musiciren,

Ruderplätschern auf dem Rheine.

Wie der Schatten eines Kahns

Sieht man's auf den Fluthen schwimmen;

Dort, beim Wirbel, schwindet's wieder

Und verhallt sind jene Stimmen.

Eine Hochzeit soll es sein,

Die vor dreiundfünfzig Jahren

Nachts, bekräntzt, berauscht, mit Lichtern,

Singend über'n Strom gefahren.

Doch in Sankt Johannis Nacht

Will der Rhein sein Opfer haben;

Wog' auf Wog' umbraust den Nachen,

Bis die Tiefe ihn begraben.

O wie viele Jugend dort

Sich entriß dem süßen Leben!

Braut und Bräutigam, sie können

Nimmer sich zur Ruhe geben.

Darum einmal jedes Jahr

Hörst du früh im Morgenscheine

Wirre Stimmen, Jauchzen, Singen,

Ruderplätschern auf dem Rheine.