Maisuna im Zelte
Marschner, Heinrich
Die Quelle murmelt durch die stille Nacht,
Der Mond blickt friedlich auf der Palmen Dächer,
Im milden Lichte schwankt der grüne Fächer;
Es schlummern Alle; nur Maisuna wacht.
Im Zelte hat des Mondes mildem Licht
Gelüftet sie des Vorhangs bunte Seide;
Sanft streift er nun am leuchtenden Geschmeide
Und ruht auf ihrem schönen Angesicht.
Für Melek wacht sie, und mit ems'ger Hand,
Nur flüchtig lauschend, ob auf fernem Wege
Nicht eines Wandrers leiser Tritt sich rege,
Webt für den Theuren sie ein Festgewand.
Die roth und blauen Fäden schlingen dicht
Zu heitrer Mischung wechselnd sich in Streifen,
Und an der Ränder zartgeschlungnen Reifen
Fehlt auch des Goldes edle Zierde nicht.
Gar manch Gebet wob sie den Fäden ein,
Manch stummen Seufzer und manch' innig Sehnen;
Ob es genetzt auch ward von ihren Thränen, --
Das weiß des Mondes stiller Blick allein.