Das Küssen
Marschner, Heinrich
Wer will nach Zahl, wer will nach Zeit
die süßen Küsse messen?
Ach, in des Küssens Seligkeit
ist alle Welt vergessen.
O Liebe, Wonne, Jugend, Glück
will sich im Kuss vermählen;
gib mir den Kuss, nimm ihr zurück,
eins werden drin zwei Seelen,
ein heller Garten jedes Herz
und Blumen uns're Lippen;
wer würde müd', mit süßem Scherz
den Honig dort zu nippen?
Wie Bienen in die Kelche, Kind,
so sind wir drein versunken,
so emsiglich, und endlich sind
die Seelen wonnetrunken.