Erinnerung

Marschner, Heinrich

Im fernen Westen weilest du,

Und ich im Osten fern,

Ich finde weder Rast noch Ruh',

Bei dir fänd' ich sie gern.

Wir haben einst gelacht, gescherzt,

In stiller Seligkeit,

Wir haben uns geküßt, geherzt,

Wohl war es schöne Zeit!

Viel Berge stehn, viel Flüsse gehn,

Viel Monde sind bis hin;

Doch über Zeiten, Länder, Seen

Steht nur nach dir mein Sinn.

Ach über Tag, ach über Nacht

Ist schwer um dich die Brust,

Von dir geträumt, an dich gedacht

Hab' ich in Leid und Lust.

Und alles mahnet mich an dich,

Der Wald, der Strom, die Au:

Du schaust mich an so wonniglich

Aus Blumen und aus Thau,

Du singst mich an im Vogelsang,

Du hauchst mich an in Duft;

Wir schwärmten ja viel Tage lang

In milder Frühlingsluft.

Zur Wolke und zum Vogel blick'

Ich in die Lüfte hin,

Und tausend Liebesgrüße schick'

Ich dir aus treuem Sinn.

Ach, immer denk' ich nur zurück

An ferne Seligkeit:

Mein Stern, mein Himmel und mein Glück!

Wohl war es schöne Zeit!