Wanderlied
Marschner, Heinrich
Den Zweig an den Hut
In die Kehle das Lied,
Ins Herz frischen Muth,
Denn der Tag erglüht!
Mein Wandergenoß
Ist der Morgenwind,
Er scheuchet den Tross
Der Nebel geschwind.
Und in duftigem Glanz
Blüht ringsum die Welt,
Dunkler Wälder Kranz,
Saatwogendes Feld.
Dort hinter den Höhn
Wallt schimmernd das Meer,
Lustig segelnd gehn
Schiffe drüber her.
Städt' und Dörfer erstehn,
Entschleiert vom Duft,
Vögel und Glocken wehn
Durch die stille Luft.
Und Leben und Kraft
Überall, überall!
Das wirket, das schafft
Duft, Farbe und Schall.
Ich habe voll Lust
Mein Herz ausgespannt,
Es spiegelt die Brust
Himmel, Meer und Land.
Der jungen Natur
Schau' ich stets ins Gesicht.
Frisch, folge der Spur,
So alterst du nicht!