An die Rose von Tiflis I

Marschner, Heinrich

Anmut gürtet deine Lenden,

Schönheit blüht um deine Glieder,

Schultern, die vor Weiße blenden,

ziehen dunkle Locken nieder.

Wenn in deine Zauberkreise

mächtig mich dein Auge zieht,

zürne nicht, dass ich dich preise,

Hochbeseligte! im Lied.

Wenn der junge Frühling wieder

kommt im blumigen Gewande,

lässt er auch durch frohe Lieder

laut verkünden durch die Lande,

dass von Winters Schnee und Eise

drangvoll sich die Erde schied;

zu des Frühlings Ruhm und Preise

singt die Nachtigall ihr Lied.

Mit den Füßchen, den behenden,

bist du mir ins Herz gesprungen,

hast mit deinen zarten Händen

meine ganze Kraft bezwungen,

dass ich gerne die Geleise

kalter Bücherweisheit mied;

zürne nicht, wenn ich dich preise,

Hochbeseligte! im Lied.

Mir das Lieblichste erwähl' ich,

anzubeten und zu loben,

wer hier strauchelt, der wird selig,

wer hier fällt, der wird erhoben.

Der ist nicht der rechte Weise,

der nicht vor der Schönheit kniet;

zürne nicht, wenn ich dich preise,

Hochbeseligte! im Lied.