Zigeunerchor

Marschner, Heinrich

Wir sind arm; der Wald, das Feld

Sind uns Haus und Speicher;

Doch so glücklich in der Welt

Lebt, wie wir, kein Reicher;

Wie die Väter, frohgemuth

Leben wir und sterben --

Für ein ächt Zigeunerblut

Giebt es kein Verderben!

Hei, Zigeuner! Hei, Zigeuner!

Hochgemuth und heiter

Fangen wir zu leben an,

Leben wir immer weiter!

Was uns Glück und Unglück beut,

Macht uns keine Sorgen;

Giebt es nichts zu essen heut,

Warten wir bis morgen!

Dafür auch verbringen wir

Nicht den Tag wie Sklaven --

Immer lustig, singen wir,

Tanzen, essen, schlafen.

Hei, Zigeuner! Hei, Zigeuner!

Hochgemuth und heiter

Fangen wir zu leben an,

Leben wir immer weiter!

Auf der Erde schlafen wir,

Hoch der Himmel deckt uns;

Mond und Stern macht uns Quartier,

Sonn' und Lerche weckt uns!

Ob auch Frost und Winter droht:

Knistert rings das Feuer,

Hat's im Walde keine Noth,

Wo das Holz nicht teuer!

Hei, Zigeuner! Hei, Zigeuner!

Hochgemuth und heiter

Fangen wir zu leben an,

Leben wir immer weiter!

Lustig durch das Leben so

Singen wir und wandern,

Alle Tage frisch und froh,

Einen wie den andern.

Ewiger Festtag ist uns hier

Wechselvoll in Neuheit --

Und für nichts verkaufen wir

Unsre goldne Freiheit!

Hei, Zigeuner! Hei, Zigeuner!

Hochgemuth und heiter

Fangen wir zu leben an,

Leben wir immer weiter!