Einen Kuss noch eh' wir scheiden

Marschner, Heinrich

Einen Kuß noch, eh' wir scheiden,

Und ein Lebewohl uns Beiden!

Meines Herzens banges Sehnen

Hat nur Seufzer, hat nur Thränen.

Trübe Leid das Auge nimmer,

Dem noch blinkt ein Hoffnungsschimmer!

Mir, ach! wird er nimmer blinken;

Muß in Nacht und Trauer sinken.

Doch wer tadelt, was geschehen?

Konnt' ich Nancy widerstehen?

Fühlt' ich mich nicht gleich getrieben,

Sie und ewig sie zu lieben?

Liebten wir uns nicht so innig,

Herzten wir uns nicht so minnig,

Hätten wir uns nie gesehen,

Fühlten wir nicht Herzenswehen.

Lebe wohl, du einzig Eine!

Lebe wohl, du Engelreine!

Blühe Glück auf deinen Wegen,

Lust und Wonne, Lieb' und Segen!

Einen Kuß noch, eh wir scheiden,

Und ein Lebewohl uns Beiden!

Meiner Seele banges Sehnen

Hat nur Seufzer, hat nur Thränen.