Was wagte Liebe nicht
Marschner, Heinrich
Was wagte Liebe nicht
In alt und neuer Zeit?
Wo schlägt ein Herz, dem nicht
Die Liebe Muth verleiht?
Ich geh den klaren Bach entlang
In stiller Einsamkeit,
Und pflücke mir ein Sträußchen
Für meine holde Maid.
Die Primel pflück' ich dort
Im sammtnen Frühlingskleid,
Und auch die Nelke mir,
Die süßen Duft verstreut.
Der Nelke gleicht mein Liebchen selbst,
Das Leib und Seel' erfreut;
Ein Sträußchen will ich pflücken
Für meine holde Maid.
Die Rose pflück' ich mir
In Thaues Herrlichkeit,
Wie Liebchens Lippe keusch,
Durch Frevler nie entweiht.
Und würzge Hyazinthe, blau
Wie die Beständigkeit -
Und allesammt zum Sträußchen
Für meine holde Maid.
Der Lilie Glanz ist rein
Und leuchtet fern und weit:
Sie schirm' - ein Talisman -
Den Busen ihr vor Leid!
Und du auch, Veilchen, schmiege dich,
SYSTEMBild ihrer Sittsamkeit,
Mit reichem Duft in's Sträußchen
Der vielgeliebten Maid!
Noch eine Blume fehlt:
Dann halte dich bereit! -
Die Silberblüthe dort,
Die mir der Weißdorn beut. -
Bangt, Vöglein, nicht im warmen Nest:
Ich thu' euch nichts zu Leid'! -
Und nun - nun wandre, Sträußchen,
Zu meiner holden Maid!