Crestien von Troies

H. Riedel

„de ioliſ cuer chanterai

bone amor men prie...“

Aus zartem Herzen sing ich nun;

Was Minne heischt, gewähr ich gern,

Und allzeit will ich zärtlich thun,

Grobdörperlicher Rauhheit fern.

Von Minne stammt das beste Gut,

Drum leb' ich ohne falschen Muth

Und seh' mich ungern streng casteit...

Ein feines Herz kann anders nicht

Es liebt mit Zärtlichkeit.

Daß hoch in Freuden schwebt mein Sinn

Ist süße Freundin, Eure Schuld,

Drum wißt, so lang ich lebend bin

Will ich als Lehnmann Euch um Huld

Treu dienen; sonst ertos' ich wild...

Wo trägt die Welt Eu'r Ebenbild?

Ihr seid des Guten Überschwang

So ganz, daß ich ersterben muß

Bleibt ungestillt mein Drang.

An Euch, o schöne Frau gesetzt

Hab ich mein Leben, Leib und Glück,

So lang ein Athemzug mich letzt

Weich ich kein' Fußbreit mehr zurück...

Nur

ein

Ersuchen trag' ich vor:

O schenkt, so lang Ihr lebt, kein Ohr

Der Schwätzer und Verläumder Rath:

Ein frankes Herz bleibt kühl wie Eis

Bei züngelndem Verrath.