Abendgeläute

J. Blied

Die Glocken, sie läuten zur guten Nacht,

Daß Mond und Sterne sind aufgewacht;

Die Glocken, sie läuten zum Thal hinein,

Sie läuten auch in die Seele mein.

Und wie sie läuten, da regen sich

Die Jugend Träume so wonniglich; --

Die alten Tage so rosenschön,

Mir ist, als müßten sie aufersteh'n.

Als grüßte der Blume Lieblichkeit

Aus Wald und Haide noch zur Zeit,

Wie dazumal, da sie so traut,

So schwesterlich mich angeschaut.

O Sonnenglanz, o Waldesblüh'n,

O Vogelschlag, o Haide grün;

O meiner Jugend Lieb' und Lust,

Wie wacht ihr auf in meiner Brust!

Nun aber bei der Glocke Rast

Bewegt zu Thränen bin ich fast;

Wohin, du fröhlicher Jugendsinn,

Wohin mein Leben, wohin, wohin?