Waldmorgen
J. Blied
Es ist so still die Maiennacht,
So still des Waldes Hallen;
Im Grunde kühl der Bach nur wacht,
Thät still vorüberwallen.
Es nicken die Blumen leis im Traum,
Von gold'nen Tagen rauscht's im Baum,
So leise, so heimlich sacht.
Horch, eine Amsel in hellem Ton
Weckt durch des Waldes Schweigen:
Ihre Schläfer, es glüht im Osten schon,
Der Wipfel will sich neigen;
Empor, o Lerche, den Himmel grüß',
Schlag' in der Bläue so laut, so süß,
So fliehet die Nacht davon!
Noch einmal klingt's wie Alphornklang,
Da, horch, ist Antwort kommen;
O Amsel, hörst du nicht den Sang?
Der Wald hat dich vernommen.
Es ruft der Pirol so hell im Thal,
Der Kukuk ruft mit einemmal
Das ganze Thal entlang.
Und eine Glocke fern darein
Beginnet süß zu singen,
Und in dem Herzen süß und fein
Sich alle Glocken schwingen.
Das ist ein Singen, das ist ein Klang;
Das klinget und singet die Welt entlang;
Gott soll gelobet sein!