Schlittenfahrt
J. Goldschmidt
„Willst du mit mir Schlitten fahren?
Sieh' wie hell die Sonne scheint,
Muß vor Bläffe dich bewahren,
Kind -- du hast doch nicht geweint?”
„Nein, ich bin nur müde, weiß nicht
Was ich habe, theurer Mann,
Daß ich eben laut noch leis' nicht
Deine Lieder singen kann.
„Mußt nicht schelten, mußt nicht necken,
Mußt auf Niemand böse sein,
Kann nicht singen dann, vor Schrecken
Fühle Frost in Mark und Bein.”
„Nimmer soll mein Lieb erblassen,
Will die Diener schelten nicht,
Ruf' zurück, den ich entlassen,
Daß dein Auge wieder licht.
„Mußt die Hände, bin ich böse,
Auf den Arm mir legen leis!
Daß der Zorn in mir sich löse,
Eh' ich dich erschrocken weiß.
„Aber ach! die lieben Hände
Sind so klein, so schmal und weiß,
Dacht' ich daß ich kalt sie fände,
Und nun sind sie glühend heiß.
„Und in deinen goldnen Haaren
Glänzt ein weißer Faden, Kind! --
Komm', wir wollen Schlitten fahren,
Farben holen, ganz geschwind!”
Und da fliegt mit Glockenschalle
Hin der prächtigen Rosse Paar,
„Wie sie strahlte!” sprachen Alle,
„Und wie er so häßlich war!”