Die Knabenzeit

J. Kalliwoda

Wie glücklich, wem das Knabenkleid

Noch um die Schultern fliegt!

Nie lästert er die böse Zeit,

Stets munter und vergnügt.

Das hölzerne Husarenschwert

Belustiget ihn itzt,

Der Kreisel, und das Steckenpferd,

Auf dem er herrisch sitzt.

Und schwinget er durch blaue Luft

Den buntgestreiften Ball;

So achtet er nicht Blüthenduft,

Nicht Lerch' und Nachtigall.

Nichts trübt ihm, nichts in weiter Welt,

Sein heitres Angesicht,

Als wenn sein Ball ins Wasser fällt,

Als wenn sein Schwert zerbricht.

O Knabe, spiel' und laufe nur,

Den lieben langen Tag,

Durch Garten und durch grüne Flur

Den Schmetterlingen nach.

Bald schwitzest du, nicht immer froh,

Im engen Kämmerlein,

Und lernst vom dicken Cicero

Verschimmeltes Latein!