Schmetterlinge im Spätsommer

J. Klaas

Die Zeit der vielen Falter ist gekommen,

Im späten Phloxduft taumelt sacht ihr Tanz.

Sie kommen schweigend aus dem Blau geschwommen,

Der Admiral, der Fuchs, der Schwalbenschwanz,

Der Kaisermantel und Perlmutterfalter,

Der scheue Taubenschwanz, der rote Bär,

Der Trauermantel und der Distelfalter.

Kostbar an Farben, Pelz- und samtbesetzt,

Juwelenschillernd schweben sie einher,

Prächtig und traurig, schweigsam und benommen,

Aus untergegangner Märchenwelt gekommen,

Fremdlinge hier, noch honigtaubenetzt

Aus paradiesischen, arkadischen Auen,

Kurzlebige Gäste aus dem Morgenland,

Das wir im Traum, verlorene Heimat, schauen

Und dessen Geisterbotschaft wir vertrauen

Als eines edleren Daseins holden Pfand.

Sinnbilder alles Schönen und Vergänglichen,

Des Allzuzarten und des Überschwenglichen,

Schwermütige und goldgeschmückte Gäste

An des betagten sommerkönigs Feste!