Einsam fühlt sich und verlassen

J. Kolb

Einsam fühlt sich und verlassen

Jener heimatferne Mann,

Der vor Sehnsucht weder hassen,

Weder glühend lieben kann.

Ferne schweifen seine Träume,

Wo die Gletscher rosig glühn,

Wo bei trautem Flutgeschäume

Vielgeliebte Blumen blühn.

All die Wolken möcht' er küssen,

Die nach seinen Bergen fliehn,

Beten möcht' er an den Flüssen,

Die aus seinen Landen ziehn:

So auch hängt an einem Sterne

Dieser ruhberaubte Sinn,

Deiner Augen blaue Ferne

Zieht mich unvermeidlich hin:

Deine Stimme voller Güte,

Lieblich wie der Frühlingswind,

Lippen, die in ihrer Blüte

Meiner Seele Heimat sind --

Denk' ich ihrer, wird verlassen

Einsam mir wie jenem Mann,

Der vor Sehnsucht weder hassen

Weder glühend lieben kann.