Auf der Campagna
J. Marx
Unendlich weite, die ins Meer verdämmert,
Seh' ich wieder, o Campagna!
Wie hoch im Norden aus der finstern Wolke,
Nach endlos langen Wochen, Monden
Die Sonne weieder tief beglückend tritt,
So strahlst du mir ins Herz!
Von ferne glänzen Hügel und Paläste,
Ein Pinienhain rauscht auf,
Und Hügel grüßen hold vertraut.
O Glück des Wiedersehns!
Ganz still zu sitzen bei fremden Blumen,
Brennend rotem Mohn und bei gestürztem Marmor,
Der, fühlios zwar, dir mehr erzälen kann
Als Menschen von Jugend,
Sehnsucht und Vergänglichkeit.
Und über dir blaut der blauste Himmel,
Zieh'n weisse Wolken in die Ferne.
O Glück des Lebens, Menschenglück!
Zu wissen, daß Morgen Gestern ward
Und dann Vergangenheit, vergessen
Und trotzdem nicht ganz vertan.
Denn immer wieder kehrt der Frühling,
Lebt die Stunde, da hohes Menschenwerk,
Den Göttern fromm geweiht,
In uns erblüht zu neuem Auferstehn
Und so sich selbst vollendet,
Tiefster Sinn des Daseins.
So grüß ich dich, Campagna!
Heil' ger Rätsel voll und der Unendlichkeit.
Du Heimat meiner Seele,
In dir erklingt das Lied der Ewigkeit,
Des Leides und der Liebe!
Selig trunken tönet das Lied des Pan,
Der über dunkle Wiesen schreitet,
Die Arme segnend ausgebreitet.
O Glück der Sehnsucht, nie gestillte Lust!
Dem Fest der götter fromm zu nah'n
Und Abschied nehmend dann vergeh'n,
Indes die Nymphen ihre leisen Reigen schlingen
Und Sterne glitzern in dem Tau er Nacht....