Das Veilchen

J. Müller-Hermann

So hab' denn Urlaub, Winter,

Reif und auch kalter Schnee!

Die Winde wehen linder

über Feld und Wiesenklee,

von Sommerduft umflogen.

Ihr Ritter und ihr Frauen,

auf, dass wir im Maien gleich

ums erste Veilchen schauen;

zierlich ist's und düftereich,

die Zeit ist uns gewogen.

O kommt, den Sommer grüßen

und all sein Ingesinde,

er kann so viel versüßen

und fährt einher so linde!

So will ich in den Mai hinaus,

das erste Veilchen pflücken;

Gott geb', es geh' mir glücklich aus!

Die Zeit mag mich entzücken,

die mich in Bann gezogen!

Da ging ich hin und here,

bis ich fand das Blümelein;

befreit von aller Schwere

fing ich gleich an, froh zu sein

und wunderschön zu singen.